Berliner Einkaufsstraßen sollen fahrradfreundlich werden

Beispiel Bergmannstraße



Die Bergmannstraße als Einkaufsstraße lebt von ihrer Mischung von Einzelhandel und Gastronomie. Auffällig ist dabei der sehr hohe Anteil von eigentümergeführten Geschäften. Von den rund 90 Läden gehören lediglich drei (zwei Supermärkte, eine Drogerie) einer Kette an. Knapp 60 Händler und Imbisse sind nach der Sanierung der Markthalle am Marheinekeplatz dazugekommen.











Kontakt



Das Projekt „Einkaufen mit dem
Rad“ wurde Ende 2008 abgeschlossen. Trotzdem freuen
wir uns über Fragen, Anregungen
und Kritik. Bitte schreiben Sie an

Martin Schlegel (Verkehrsreferent)

BUND Berlin
Crellestraße 35 • 10827 Berlin

E-Mail: schlegel[at]bund-berlin.de

Modal Split in der BergmannstraßeDie Bergmannstraße weist ein hohes Fahrradaufkommen auf. Eine BUND-Zählung im Mai 2007 ergab, dass pro Stunde etwa 400 Radfahrer den Abschnitt zwischen Mehringdamm und Friesenstraße passieren. Im Vergleich dazu liegt der Autoanteil im Verkehrsaufkommen bei ca. 320 Fahrzeugen pro Stunde. Das Fahrrad ist somit das wichtigste Verkehrsmittel in der Bergmannstraße. Zum einem nutzen viele Bewohner der näheren Umgebung das Rad, um von ihrer Wohnung zur Bergmannstraße zu gelangen. Zum anderen ist die Bergmannstraße Teil der Tangentialroute 4 des Berliner Fahrradroutennetzes, die vor allem Schöneberg, Kreuzberg und Neukölln miteinander verbindet. Zusätzlich ist der Anteil von Autobesitzern im Kiez sehr gering. Nach einer Untersuchung des Bezirksamtes verfügen nur 22 von 100 Anwohnern des Quartiers über einen PKW. Zum Vergleich: Bundesweit liegt der Anteil bei 55 PKW je 100 Einwohner.



Mehr Platz für Radfahrer und Fußgänger

Wild geparkte Räder in der BergmannstraßeDie meisten Kunden kommen zu Fuß oder mit dem Rad in die Bergmannstraße. Auf den Bürgersteigen herrscht fast immer Gedränge. Neben den Fußgängern, den Auslagen der Läden und den Stühlen und Tischen der Cafés beanspruchen vor allem „wild“ abgestellte Fahrräder viel Platz auf dem relativ schmalen Fußweg. Die 112 regulären Fahrradabstellplätze reichen offensichtlich nicht aus. Zählungen von abgestellten Fahrrädern ergaben für die Bergmannstraße einen Bedarf von 270 Stellplätzen. Die Radfahrer nutzen daher notgedrungen Ampel- und Laternenmasten, Straßenschilder, Baugerüste und Zäune als zusätzliche Abstellmöglichkeiten. 

Der Durchgangsverkehr nervt

Vernünftige FahrradbügelVor allem der Auto- und Motorradverkehr ist Quelle störender Emissionen. Lärm und Abgase verringern die Aufenthaltsqualität der Bergmannstraße und stören die Besucher der zahllosen Straßencafés und Restaurants. Auch die Anwohner haben unter den Immissionen zu leiden. Der Grund für das hohe Verkehrsaufkommen ist unter anderem die Rolle der Bergmannstraße als Ausweichstrecke für die stark genutzte Straßenkreuzung Mehringdamm-Gneisenaustraße. Die Verbindung Columbiadamm-Gneisenaustraße über die Friesen- und Zossener Straße führt zusätzlich zu einem erhöhten Verkehrsaufkommen im Bergmannkiez. In Zukunft wird hier wohl noch mit einem Anstieg zu rechnen sein, wenn der Durchbruch der Lindenstraße zum Spittelmarkt kommt.



Was tun?

Vernünftige FahrradbügelZunächst brauchen wir zusätzliche Fahrradabstellanlagen. Um den hochfrequentierten Gehweg zu entlasten, sollen die Abstellanlagen auf dem Straßenland platziert werden. Hiefür sieht der BUND die Umwandlung von PKW-Stellplätzen in Fahrradstellplätze vor. Vor allem die Bereiche an den Straßenkreuzungen eignen sich sehr gut für Fahrradabstellanlagen, da sich die Sichtverhältnisse zwischen Kraftfahrern und Fußgängern verbessern und somit der Verkehr sicherer wird. Darüber hinaus würden die Abstellplätze Straßenland beanspruchen, das laut Straßenverkehrsordnung von PKW nicht besetzt werden dürfte. Durch den Wegfall von nur 32 PKW-Plätzen könnten 256 dringend benötigte Fahrradabstellplätze entstehen.



Die ganze Bergmannstraße soll Fahrradstraße werden

Radfahrer in der BergmannstraßeSeit Herbst 2008 ist der östliche Teil der Bergmannstraße, also der Abschnitt zwischen Südstern und Marheinekeplatz, eine Fahrradstraße. Dies bedeutet, dass Radfahrer hier grundsätzlich Vorrang haben: Nur noch die Anlieger dürfen mit dem Auto, und zwar nur mit mäßiger Geschwindigkeit (ca. 25-30 km/h), fahren. Des Weiteren dürfen Radfahrer auf Fahrradstraßen ausdrücklich auch nebeneinander fahren. Der BUND begrüßt die Ausweisung dieser Fahrradstraße, sagt aber auch: Das reicht noch nicht. Gerade der westliche Teil der Bergmannstraße, wo die meisten Cafés und Geschäfte liegen, wird sehr stark von Radfahrern frequentiert. Wir fordern daher eine durchgehende Fahrradstraße ab dem Mehringdamm.



Lösung für den Anlieferverkehr

Die hohe Einzelhandelskonzentration führt in der Bergmannstraße zu einem starken Anlieferverkehr, der durch das Parken in zweiter Spur den Fahrradverkehr behindert und Fußgänger beim Überqueren der Fahrbahn gefährdet. Um diesen Missstand zu beheben, fordert der BUND die Einführung von sogenannten „Ladezonen“. Diese Zonen sind ausschließlich dem Anlieferverkehr zum Ein- und Ausladen der Waren vorbehalten.



Weniger Durchgangsverkehr

Hier wäre Platz für FahrradabstellanlagenUm die Bergmannstraße vom Durchgangsverkehr zu befreien bzw. den Autoverkehr im Kiez zu verringern, fordert der BUND, die Zossener Straße in Höhe der Markthalle am Marheinekeplatz für den Individualverkehr zu sperren. Ausgenommen wären BVG-Busse, die Polizei und Rettungswagen. Diese Maßnahme würde den Durchgangsverkehr im Bergmannkiez drastisch reduzieren und die Wohn- und Aufenthaltsqualität steigern. In Höhe Solmsstraße sollte zudem ein Zebrastreifen (eventuell mit Mittelinsel) angelegt werden. Zwischen Mehringdamm und Zossener Straße sollte „Rechts vor Links“ gelten.



Zeichnung Bergmannstraße
 

Download Flyer Einkaufen mit dem Rad in der Bergmannstraße (pdf, 3,3 MB)

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